KUNSTTHERAPIE MIT FLÜCHTLINGEN


Man kann davon ausgehen, dass Menschen, die Krieg, Folter oder Flucht am eigenen Leib erfahren mussten und bei uns ankommen, traumatische Situationen durchlebt haben. Für die Betroffenen sind das einschneidende psychische Erfahrungen, deren Identität tief erschüttert wird.

Die Situation von Flüchtlingen ist zunächst einmal, unabhängig davon, was sie erlebt haben, eine Situation extremster Unsicherheit, da die Grundkoordinaten, mit denen die Welt vertrauensvoll wird, nicht mehr gelten. Alles was sie bis gestern gelernt haben, wie die Welt funktionieren sollte, funktioniert so nicht mehr. Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass diese Menschen Ängste in ihrer bedrohlichen Lebenssituation entwickeln, gleichermaßen aber auch über Kräfte verfügen, diese zu meistern.

Eine kunsttherapeutische Begleitung kann hier sehr hilfreich sein, gerade weil sie ein nonverbales therapeutisches Angebot ist. Die Betroffenen können sich ihren Erlebnissen beim Malen oder Zeichnen annähern und bearbeiten.

  • Während des künstlerischen und therapeutischen Prozesses können sich Ängste und Gefühle von Hilflosigkeit vermindern, ebenso ein Gefühl der Selbstbestimmtheit und Kontrolle entwickeln.
  • Traumatische Erfahrungen können bearbeitet werden und die Betroffenen lernen, mit ihnen umzugehen, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können und ihre Kräfte für die neuen Lebensaufgaben zu nutzen.
  • Die kunsttherapeutische Arbeit bietet für den Klienten neue Möglichkeiten der Krisenbewältigung. Hier kann eine individuelle Unterstützung in Problemsituationen erfolgen, wo die Arbeit mit künstlerischen Medien eine Form der Verarbeitung sein kann.
  • Schon Tätigkeiten wie Schmieren, Erforschung der Eigenschaften des Materials kann als positiv und Ich-gerecht erlebt werden, auch wenn noch keine symbolische Darstellung erarbeitet wird.
  • Das Chaotische Entladen bei eventuellem Planschen, Spritzen oder Hämmern kann als eine direkte Abfuhr von aggressiver Erregung erlebt werden.

Es gibt Zeiten, in denen schöpferische Arbeit unmöglich ist. Um Kontrollen wieder herstellen zu können, muss ein Mensch manchmal in eine zwanghafte Tätigkeit flüchten. Im künstlerischen Tun kann sich das auswirken in Form von Kunst im Dienste der Abwehr wie: Stereotypes Wiederholen, Kopieren, Durchpausen oder banale konventionelle Arbeiten.

Kunsttherapie hat im großen und ganzen die Aufgabe den Klienten zur Schaffung symbolischer Gebilde, die ein Ausdruck des Selbst und gleichzeitig eine Mitteilung an die Umwelt sind, zu verhelfen, das kreatives Tun erlaubt, innere Prozesse, Strukturen, Störungen etc. wahrzunehmen und auszudrücken. Traumatisierungen können in dem Maße wahrgenommen- und verarbeitet werden, wie der Klient es ertragen und aushalten kann.

Auf diese Weise stellt die Kunsttherapie auch eine Erweiterung der Kommunikationsmöglichkeiten dar, wenn emotional gestörte Klienten die zerstörerische Problematik sprachlich nicht beschreiben können, da sie dem Bewusstsein noch nicht zugänglich sind (eine Verdrängung, die bei schweren Störungen zunächst eine Art notwendige Bewältigungsstrategie sein kann). Aber auch wenn das sprachliche Ausdrucksvermögen aus diversen anderen Gründen begrenzt ist, zeigen sich in den entstandenen Werken enorm relevante Faktoren, die ansonsten eher verborgen bleiben, aber aufschlussreiche Informationen über die Ursache der Störungen (mit all den daraus folgenden Konsequenzen) liefern.

Qualitätsabsicherung

Abschluss als Kunsttherapeutin und des Art Psychotherapy Diploma des Goldsmith Collegs der Londoner University